Keupstraße300 m
50.9657° N · 7.0083° E© OpenStreetMap contributors

Die Keupstraße liegt in Köln-Mülheim, rechtsrheinisch, und ist gut 400 Meter lang. Seit den 1970er Jahren prägen migrantische Geschäfte, Restaurants und Werkstätten die Straße; Behörden und Medien beschrieben sie lange als „Brennpunkt“ und „Parallelgesellschaft“.

Am 9. Juni 2004 zündete der NSU vor einem Friseursalon in der Keupstraße eine Nagelbombe; 22 Menschen wurden verletzt. Die Ermittlungen richteten sich gegen die Straße selbst: Jahrelang galten die Betroffenen als Verdächtige, ein rassistischer Hintergrund wurde ausgeschlossen. Seit der Selbstenttarnung des NSU 2011 wird in der Keupstraße um das Gedenken gerungen – beim Birlikte-Fest, das 2014 zum zehnten Jahrestag begann, und um ein Mahnmal, das bis heute nicht gebaut ist.

Çağan Varol hat die Problematisierung der Keupstraße seit dem Anwerbestopp 1973 historisch-genealogisch und ethnografisch untersucht: Wie wurde aus einer Straße ein „Problemviertel“? Welche Rolle spielten Soziale Arbeit, Sicherheitsbehörden und Stadtentwicklung? Und wie materialisierten sich unternehmerische Raum- und Stadtstrategien – von der Aufwertung über die Verdrängung bis zur Festivalisierung des Gedenkens? Seine Dissertation dazu verteidigte er im Juni 2026 an der Hochschule München; im Dezember 2026 erscheint „Rassifizierte Topographien“ bei transcript.

Das Buch

Buch

  • Erscheint Dezember 2026
  • transcript Verlag, Bielefeld
  • Reihe Urban Studies

Rassifizierte Topographien. Über die Problematisierung von Migration im städtischen Raum

Die Studie zeichnet nach, wie eine migrantische Geschäftsstraße in Köln seit dem Anwerbestopp von 1973 stigmatisiert wurde: ethnografisch und genealogisch, entlang der offiziellen und medialen Deutungen von „Brennpunkten“ und „Parallelgesellschaften“ und der Gegennarrative der migrantischen Bewohner:innen. Am Anschlag einer rechtsterroristischen Gruppe im Jahr 2004 und den anschließenden Ermittlungen zeigt sie, wie Soziale Arbeit, Sicherheitsbehörden und Stadtentwicklung an der Herstellung einer rassifizierten Topographie mitgewirkt haben. Erscheint in der Reihe Urban Studies; laut Verlag voraussichtlich am 28. Dezember 2026, rund 470 Seiten.

Buchumschlag: Rassifizierte Topographien. Über die Problematisierung von Migration im städtischen Raum

Bilder

Die Keupstraße an den Birlikte-Tagen im Juni 2024, das Bauschild eines Immobilienunternehmens und eine Arbeitskarte aus der Forschung.

  • Blick die Keupstraße hinunter während des Birlikte-Fests: Marktstände, türkische Fahnen, ein Banner „Keupstr.“ über der Straße, dahinter die Bühne mit dem Schriftzug Birlikte; im Vordergrund zwei Polizisten der NRW-Polizei mit dem Rücken zur Kamera.
    Birlikte – Gedenken & Kulturfest in der Keupstraße, Juni 2024, zwanzig Jahre nach dem Anschlag: Polizei vor der Bühne.Foto: Çağan Varol
  • Die Keupstraße als Festmeile: ein Banner „Keupstr.“ der IG Keupstraße hängt zwischen den Häusern, darunter Tische, Zelte und Menschen auf der gesperrten Straße, links ein eingerüstetes Haus.
    Die Keupstraße am Birlikte-Wochenende, Juni 2024.Foto: Çağan Varol
  • Ein großes Bauschild mit dem Schriftzug „gentes“ an einer Backsteinwand: die Luftbild-Visualisierung eines geplanten Wohnquartiers mit begrünten Dächern; davor ein parkendes Auto.
    Bauschild des Immobilienunternehmens Gentes in Köln-Mülheim, Juni 2024. Der offene Brief „Erinnern jetzt“ für das Mahnmal in der Keupstraße (2025) richtet sich neben der Stadt auch an Gentes.Foto: Çağan Varol
  • Karte der Keupstraße und ihrer Umgebung mit roten Markierungen und Beschriftungen: Mahnmal, Nagelbombe, NSU, Schauspiel, Tagelöhnermarkt, Spielplatz, Problemimmobilie und Diagonale; eine rote Linie misst die Straße mit 401,5 m. Maßstabsleiste 0 bis 150 m.
    Der soziale Raum der Keupstraße in einer Arbeitskarte aus der Forschung: der Ort der Nagelbombe, der Standort des Mahnmals, der Tagelöhnermarkt, das Schauspiel Köln im Carlswerk und eine „Problemimmobilie“ – die Straße selbst misst gut 400 Meter. Kartengrundlage: © OpenStreetMap-Mitwirkende.

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